"Aktivismus geht auch ohne Coming-out" - Statement vom Beirat der Queeren Jugend NRW

Das Bild zeigt den Titel Statement für "Aktivismus geht auch ohne Coming-out" vom Beirat der Queeren Jugend NRW und das Logo des Jugendnetzwerks.

Statement „AKTIVISMUS GEHT AUCH OHNE COMING-OUT“
vom Beirat der Queeren Jugend NRW (Pride Season 2021)

„Hallo, ich bin Veli vom Beirat der Queeren Jugend NRW und würde gerne mit euch über das Thema Coming-Out sprechen.

In den letzten Jahren haben wir in unserer westlichen Gesellschaft einen Punkt erreicht, an dem queere Menschen in Serien und Filmen immer öfter zusehen sind, es wird zunehmend sichtbarer, zum Glück! Allerdings ist eine immer größer werdende Schieflagezwischen geouteten und nicht-geouteten Menschen zu beobachten.

Immer mehr sehen sich Menschen in der Rolle, sich rechtfertigen zu müssen, wieso sie sich nicht outen können, wollen oder möchten. In dieser Position befinden sich nicht nur BI_PoC [also Queers, die Rassismus erfahren], sondern Menschen mit jeder Zugehörigkeit.

Für manche Menschen ist das äußere Coming-Out ein sehrwichtiger Schritt in der Identitätsfindung, indem sie anderen Menschen ihre queere Identität mitteilen. Für andere bedeutet das äußere Coming-Out allerdings Verletzung, da nicht jede Person die Möglichkeit hat, sich zu outen. Es gibt auch Menschen die sich nicht outen möchten, zum Beispiel weil sie dann eventuell auf ihre Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung reduziert werden.

In meinem Freund*innenkreis und meiner engsten Familie binich out, in der Öffentlichkeit bin ich das allerdings nicht und dennoch bin ich Teil des Beirats der Queeren Jugend NRW. Ich war mir lange nicht sicher, ob ich der queeren Arbeit als nicht-geouteter Mensch nachgehen kann, ob ich Jugendgruppen besuchen darf und wie sicher das für mich wäre. Mittlerweile weiß ich, dass das sehr wohl geht.

In demNetzwerk der Queeren Jugend NRW und allen dazugehörigen Jugendgruppen stoße ich auf Unterstützung und Zuspruch, wenn ich den Wunsch äußere, einen anderen Namen für die Arbeit nutzen zu wollen. In diesem Jahr gründet sich auch eine Arbeitsgruppe, an der alle teilnehmen können, in welcher wir zum Beispiel daran arbeiten wollen, wie wir unsere Jugendangebote für alle Menschen zugänglich machen können.

Wenn eine Person nicht in der Nähe einer Stadt mit queeren Angeboten wohnt oder keine Angebote in der eigenen Stadt besuchen kann oder möchte, kann das Angebot einer anderen Stadt wahrgenommen werden. Für die Personen ohne Zugang zum öffentlichen Nahverkehr oder einem Auto, gibt es Communities im Internet. Viele queere Jugendgruppen haben Facebook- und/oder Instagramprofile, über die Ihr uns kontaktieren könnt. Ein Abo wäre schön, aber nicht unbedingt notwendig, vor allem auch im Sinne des Selbstschutzes.

Bitte denkt daran, dass jeder Mensch ein Selbstbestimmungsrecht hat, in welchem sich das Coming-Out wiederfindet. Niemand darf anderen vorschreiben, ob sie sich zu outen haben oder nicht. Und denkt bitte immer daran, dass der Wunsch, sich nicht zu outen, nicht zwingend mit Angst zu tun hat, sondern ein selbstbestimmter Wunsch sein kann.“